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Freitag, 31. Dezember 1999. Obwohl wir wegen des Jahr-2000-Problems nicht ganz unvorbereitet waren, hatten wir uns auf einen ruhigen Jahrtausendwechsel eingestellt, doch dazu sollte es gar nicht erst kommen ...
22:30 Uhr, die Melder der Einsatzeinheit 2 / Mitte-Nord gingen auf. Was war geschehen? Die Jahrtausendfeier in der Innenstadt, bei der ursprünglich mit 50.000 Besuchern gerechnet wurde, eskalierte. Ungefähr doppelt so viele Besucher fieberten in der Innenstadt dem Jahrtausendwechsel entgegen. 27 Einsatzkräfte, davon eine Ärztin, der beteiligten Bereitschaften Feuerbach, Stammheim und Weilimdorf begaben sich zum Sammelpunkt in der Rhönstrasse in Feuerbach. Die restlichen 5 Einsatzkräfte aus Stuttgart-West fuhren direkt zur Theodor-Heuss Strasse. Nach einer kurzen Lagebesprechung verließ die erste Gruppe mit zwei Einsatzfahrzeugen (Führungskraftwagen (FüKW), Mannschaftstransportwagen (MTW)) die Bereitschaft und fuhr anfangs ohne, später mit Sonderrechten in Richtung Theodor-Heuss Strasse. In kurzen Abständen folgten die restlichen zwei Einsatzfahrzeuge (Krankentransportwagen mit 4 Tragen (KTW-4), Arzttruppwagen (ATW)) mit Besatzung.
Nach der Einteilung der Helfer in Gruppen verlegten die Fahrzeuge KTW-4 und ATW und die gesamten Einsatzkräfte ihren Standort in die Bolzstrasse, um die Verletzten in diesem Bereich zu versorgen. Die dichtgedrängten Menschen behinderten die Zufahrt. Feuerwerkskörper und Glasflaschen flogen durch die Luft, wobei auch unsere Einsatzfahrzeuge getroffen wurden. Der Boden war von Scherben übersät und stellte die Reifen unserer Fahrzeuge auf eine harte Probe, obwohl versucht wurde, die Scherben zu meiden - kurzum außergewöhnliche Umstände begleiteten unseren Einsatz. Währenddessen bauten die Fahrer der MTWs und der Zugtrupp am ursprünglichen Aufstellungsraum in der Theodor-Heuss Strasse eine Verletztenablage auf und betrieben diese. Allein hier hatten wir in den ersten 90 Minuten ungefähr 50 Hilfeleistungen zu verzeichnen. Die ersten Verletzten, hauptsächlich Platz-, und Brandwunden, später auch Personen mit Kreislaufbeschwerden, Schnittwunden und zu betreuende alkoholisierte Personen, erwarteten uns.
Als der vom Leitenden Notarzt angeforderte Abrollbehälter Unterkunft der Feuerwehr einsatzklar war, übernahmen Kräfte der Schnelleinsatzgruppe die Behandlung der Verletzten an diesem Standort. Nachdem sich die Einsatzkräfte gesammelt hatten verlegten wir unseren Standort dann um 3:30 Uhr in den zur Verletztenstelle umfunktionierten Weißen Saal des Neuen Schlosses, um dort die erschöpften Einsatzkräfte, die schon seit 16 Uhr die Feierlichkeiten auf dem Schlossplatz betreuten, abzulösen. In diesem Abschnitt überwogen die stark alkoholisierten Personen.
Gegen 5:30 Uhr, als der letzte Patient den Weißen Saal verlassen hatte, packten wir unser Material zusammen und fuhren in unsere Katastrophenschutz-Unterkunft im Bellingweg. Dort angekommen sorgte der Arbeitskreis Verpflegung mit Suppe, Kaffee und Tee für eine gute Stimmung unter den Helfern. Nach der obligatorischen Materialversorgung war der Einsatz dann um 8:00 Uhr beendet, die Meisten von uns zog es nur noch ins Bett.
Nach Abschluß des Einsatzes wurden 1000 Hilfeleistungen gezählt, 165 Personen wurden zur weiteren Behandlung in umliegende Krankenhäuser transportiert.
Im Nachhinein kann man sagen, daß der Einsatz gezeigt hat, daß die Übungen und Trainings der Einsatzeinheit ihren Sinn hatten und wir mit Stolz vermerken können, daß auch an Silvester die Einheit mit voller Einsatzstärke nüchtern ausrücken konnte.
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